Wer sind indigene Völker?

Schätzungen zufolge zählen weltweit mehr als 370 Millionen Menschen in 70 Ländern zu den indigenen Völkern. Der Begriff „indigen“, oder auf Deutsch „einheimisch“, ist definiert durch Merkmale, die sich auf die Identität eines Volkes beziehen, das in einem bestimmten Gebiet lebt und sich kulturell von anderen Menschen oder Völkern unterscheidet. Die meisten indigenen Völker leben heute in abgelegenen Gebieten der Erde, von den Waldvölkern des Amazonasgebietes bis zu den indigenen Völkern Indiens, von den Inuit der Arktis bis zu den Aborigines in Australien. Sehr oft bewohnen sie Land, das reich an natürlichen Ressourcen ist.

Indigene Völker haben soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Merkmale beibehalten, die sich von denen der herrschenden Gesellschaften, in denen sie leben, unterscheiden. Es gibt mindestens 5000 verschiedene indigene Völker. Von den mehr als 6000 Sprachen der Erde sprechen indigene Völker etwa 4000 bis 5000. Sie besitzen einzigartige Wissens- und Glaubenssysteme und wertvolle Kenntnisse für die nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen. Sie haben eine besondere Beziehung zu ihrem angestammten Land, das eine grundlegende Bedeutung für ihr kollektives physisches und kulturelles Überleben als Völker hat. Indigene Völker haben ihre eigenen vielfältigen Konzepte von Entwicklung, basierend auf ihren traditionellen Werten, Visionen, Bedürfnissen und Prioritäten.

Indigene Völker sind die Nachkommen derjenigen Menschen, die ein Land oder eine geographische Region zu dem Zeitpunkt bewohnt haben, als Menschen anderer Kulturen oder ethnischer Herkunft in diese Länder oder Regionen kamen. Die Neuankömmlinge wurden dann durch Eroberung, Besetzung, Besiedlung oder auf andere Weise zur dominanten Bevölkerung.

Indigene Völker haben oft viel gemeinsam mit anderen vernachlässigten Teilen der Gesellschaft, wie zum Beispiel einen Mangel an politischer Repräsentation und Partizipation, wirtschaftliche Marginalisierung und Armut, fehlender Zugang zu sozialen Diensten und Diskriminierung. Trotz ihrer kulturellen Unterschiede haben indigene Völker weltweit gemeinsame Probleme, die insbesondere auch den Schutz ihrer Rechte betreffen. Sie streben nach Anerkennung ihrer Identität, ihrer Lebensweise und ihrer Rechte auf ihr traditionelles Land, ihre Territorien und Ressourcen. Dabei sind indigene Völker nicht immer einer Meinung, sondern sie vertreten mitunter unterschiedliche Interessen und Perspektiven, sowohl innerhalb eines Volkes als auch zwischen den verschiedenen Völkern.

Heute sind viele indigene Völker noch immer aus der Gesellschaft ausgeschlossen und es kommt vielfach zu Verletzungen ihrer fundamentalen Rechte. Trotzdem sind sie entschlossen, ihre angestammten Territorien und ihre ethnische Identität zu bewahren, weiterzuentwickeln und an künftige Generationen weiterzugeben. Ihr Fortbestand als Völker ist eng mit ihrer Möglichkeit verbunden, ihr Leben und ihre Entwicklung selbst zu bestimmen und im Einklang mit ihren eigenen kulturellen Mustern, sozialen Institutionen und Rechtssystemen zu leben.

Quellen:

IWGIA: Indigenous peoples – who are they?  www.iwgia.org

United Nations Permanent Forum on Indigenous Peoples: Factsheet Who are indigenous peoples?  www.un.org/esa/socdev/unpfii/documents/5session_factsheet1.pdf